Das Stück


Jeder kennt den Schinderhannes – doch wer war der Heidenpeter, der Schodenheinrich oder der Schwarze Jung? Wenig ist bekannt über die Räuber, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts zwischen dem Vogelsberg und dem Taunus jenseits aller Robin-Hood-Romantik ihr „Unwesen“ trieben. Diesen vergessen Figuren der Wetterauer Geschichte nimmt sich die Kleine Bühne Gambach in ihrer neuen Produktion an.

HEIDENPETER beleuchtet das Schicksal des Peter Görzel, genannt Heidenpeter, der im Jahr 1813 gemeinsam mit anderen der Gaunerei beschuldigten Männern im Gießener „Stockhaus“ einsaß. Hier muss Heidenpeter sich entscheiden – zwischen Loyalität und Verrat, Kameradschaft und Familie, Leben und Tod – und begibt sich auf einen für ihn gefährlichen Weg mit ungewissem Ausgang…

 

Die Geschichte basiert auf Originalaufzeichnungen des Untersuchungsrichters Friedrich Ludwig Adolf von Grolman, der das Verhör leitete und für den der Fall des Heidenpeter zu einer persönlichen Angelegenheit wurde.

Nach der Aufführungen des Stücks RATZKATREIN ist HEIDENPETER der zweiten Teil der Trilogie „Gegen das Vergessen“ von Autor und Regisseur Johannes Schütz.

Tobias Vogel als Heidenpeter


Gedanken des Autors Johannes Schütz

In einer sich immer schneller drehenden und sich verändernden Welt ist es schwer, gegen das Vergessen anschreiben und an Vergangenes erinnern zu wollen. Denn das Vergessen geschieht heute fast so schnell, wie sich der „Fortschritt“ vorwärts bewegt.

 

Es erfordert unsere ganze Kraft „mit der Zeit zu gehen“, wo soll da noch Energie vorhanden sein, sich mit der Vergangenheit beschäftigen zu wollen – und welchen Nutzen sollte es haben?

 

Ich befürchte, wenn wir so denken, werden wir den Boden unter unseren Füßen verlieren, den Boden auf dem aus Gewesenem Zukunft entstehen konnte. Beides, Vergangenheit und Zukunft, sind unabdingbar miteinander verbunden, denn das Eine bedingt das Andere.  Zurzeit scheint es jedoch, als würde diese Verbindung durch Vergessen gekappt. Vielleicht ist ohne das Wissen von Vergangenem keine gelingende Zukunft möglich? Sind wir nicht drauf und dran, wieder in gefährliche Denkmuster zu verfallen, deren Auswirkungen wir eigentlich kennen müssten?

 

In unserem Stück „Heidenpeter“ geht es um vergessenen Menschen der Zeitgeschichte, die in keinem Geschichtsbuch auftauchen, die keinen interessieren und die scheinbar nie existiert haben. Er geht um Vaganten, umherziehende Händler, Musikanten, Söldner unsinniger Kriege, es geht um Räuber, um Menschen ohne Heimat und Dach über dem Kopf.

 

Es geht also um Menschen, die auch jetzt und heute millionenfach die Welt bevölkern, Opfer von Krieg und Verfolgung, Hungernde auf einem Boden, der seine Menschen nicht mehr ernährt. Menschen ohne Heimat und Dach über dem Kopf.

 

Es geht um Menschen.

 

Es geht um uns.

 

und darum, was uns verbindet.